Somnambule schrieb:
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> Vielen Dank für die Hilfestellungen!
Sehr gern geschehen, freut mich, wenn ich mit diesem Nischenwissen doch noch jemandem weiterhelfen kann.
> Bei dieser DVD "Wünsch dir was - Ein Ausflug ins
> Reich der Nostalgie" (vom 20.2.1982) ruckeln die
> Bewegungen. Läuft Dietmar Schönherr über die
> Bühne oder bewegt Vivi Bach die Arme, so sieht es
> so aus, als ob die Fernsehsendung mit einer
> Filmkamera (24 Bilder pro Sekunde) aufgenommen
> wurde.
Ja dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass bei der Digitalisierung eben bereits deinterlaced wurde. Das bedeutet folgendes: Analoges PAL hat keine Pixel, nur Zeilen und besteht immer aus 50 Halbbildern ( "i" = interlaced) pro Sekunde. Eben genau darum, weil bei elektronischen Kameras und den Umständen in Studios, 25 Bilder zu wenig sind und das "ruckelt". Nur halbe Bilder, rein aus übertragungstechnischen Kapazitätsgründen. Volle Bilder benötigen logischerweise mehr Bandbreite als eben halbe. Die Aufteilung der Halbbilder erfolgte Zeilenweise in die geraden bzw. ungeraden Zeilen der 576 aktiven PAL Zeilen. Zusammen mit dem Prinzip der Röhrentechnik konnte hiermit eine flüssige Bewegung erzielt werden. Das ganze nennt sich Zeilensprungverfahren.
Digitale Displays funktionieren gänzlich anders und hier gibt es zur Anzeige nur Vollbilder ("p" = progressive). Bei der Speicherung hingegen kann es noch Halbbilder (i) geben. Das Display macht aber letztlich immer Vollbilder daraus, in dem es die jeweils fehlenden Zeilen aus den anderen berechnet (interpoliert).
Es ist natürlich ein Armutszeugnis, dass bei den ÖR bei der Digitalisierung dermassen diletantisch gearbeitet wird. Pillarbox auf eine DVD und auf 25p deinterlacen. Und dann noch auf dem DVD-Player "P&S" verhindern. Eigentlich machen die alles falsch, was man falsch machen kann. Kann natürlich sein, dass sie intern auf 50p deinterlacen, aber eine DVD unterstützt kein 50p. Dann müsste man es halt wieder re-interlacen.
> Fragen:
> - Wie komme ich an den IFO-Ordner, um die
> erforderte Umstellung vorzunehmen?
Alles nur via Computer. Und da man DVDs nachträglich nicht mehr verändern kann führt kein Weg am neuen Brennen der DVD vorbei, auch wenn es sich in diesem Fall nur um eine kleine Änderung handelt. Dazu die DVD einlegen und im Dateisystem öffnen. Dort hat es einen VIDEO_TS Ordner in dem sich die ganze komplexe Struktur der DVD befindet. Diesen auf die Festplatte kopieren. Gebrannte DVDs haben keinen Kopierschutz, darum geht das. Dort hat es für jedes VTS eine eigene IFO Datei. (Sowie eine BUP als Backup). Diese Dateien lassen sich mit einem IFO Editor Programm wie myDVDedit oder IfoEdit (beide gratis im Netz verfügbar) öffnen. Dort dann im entsprechenden VTS die Einstellung für "Aspect Ratio" ändern, wie in meinen Screenshots oben zu sehen. Änderungen speichern und den ganzen VIDEO_TS Ordner mit einem DVD-Brennprogramm auf eine DVD-Rom (UDF Format) brennen. Dann müsste die "Pan&Scan" Funktion im DVD-Player funktionieren.
> - Wird der vom ZDF in die Pillarbox gequälte
> 4:3-Imhalt also künstlich aufgeblasen
> (=Qualitätsverlust!)
Eine PAL DVD hat eine Auflösung von 720x576 Pixel egal ob 4:3 oder 16:9. Bei 16:9 wird das sogenannte anamorphe Verfahren verwendet. Das heisst, das eigentlich breitere Bild wird horizontal zusammengestaucht und zusätzlich mit der Information für das Wiedergabegerät, dass es sich eben um 16:9 handelt und das Display das Bild wieder auf die volle Breite entzerrt. Das Pillarbox Prinzip verkleinert das 4:3 Bild ins 16:9 Bild hinein und erzeugt dann die Balken links und rechts. Das ganze Bild inkl. der Balken wird dann für die DVD wieder zusammengestaucht, also auch die schwarzen Balken. Insofern verliert man dabei horizontale Auflösung welche eben für die schwarzen Balken anstatt für das aktive Bild verwendet werden. Bei einer DVD macht das also überhaupt keinen Sinn. Das ZDF macht es trotzdem. Da heisst es jetzt halt einfach, das Beste daraus zu machen. Da das Bild ja sowieso auf der DVD anamorph (also verzerrt) gespeichert ist, muss man es in jedem Fall wieder irgendwie "entzerren". Bei 4:3 Fernsehern macht das eben schon der Player, entweder in dem er ein Letterbox daraus macht, oder mittels der "Pan&Scan" Funktion.
> - Kann man die ruckartigen Bewegungen wieder
> flüssig machen?
Moderne Flachbildschirme haben eine eingebaute Zwischenbildberechnung. Damit sollte auch diese Aufnahme auf so einem Bildschirm wieder einigermassen flüssig dargestellt werden. Allenfalls bessere Ergebnisse erzielt man aber mit neuer KI Software, welche via künstlicher Intelligenz komplett neue Bilder berechnet. Somit würde man die Videodatei wieder verändern. Diese Software gibt es aber nicht gratis und bedarf schon ein wenig "Fachkenntnis".
Ausserdem kommt es bei beiden Verfahren auch darauf an, wie gut oder wie schlecht das ZDF das Deinterlacing vorgenommen hat. Das ist nämlich ebenfalls ein Kapitel für sich und auch da kann man viel falsch machen.
> würde am liebsten die Sendemitschnitte auf S-VHS
> in 4:3 umkopieren (für eine langjährige
> Archivierung und sichere, einfache Handhabung).
Das wäre ja ganz einfach, wenn die DVD nicht diesen Pillarbox Murks hätte. Wenn wir es aber schaffen, das ganze auf dem DVD Player in 4:3 abzuspielen, steht ja dem Anschluss des DVD Players an einen VHS Rekorder und dort aufzunehmen nichts mehr im Weg. Besser wird das Bild dadurch aber natürlich nicht.
> Ich bin computertechnisch unbegabt
Mein Vorschlag: Versuch mir die IFO Dateien auf der DVD zukommen zu lassen. wetransfer.com wäre da wohl am einfachsten. Da kannst du mir dann einen Download Link zB per Privatnachricht hier im Forum schicken. Dann haben wir wenigstens mal Gewissheit bezüglich dieser Sache. Dann können wir weiter sehen.