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Re: "Sheep": Jella Haase ("Kleo") und Merlin Sandmeyer ("Die Discounter") werden zu Schafen in ZDF-Miniserie
Ich habe gerade mit hohen Erwartungen die erste Folge der Serie Sheep gesehen, die unter anderem vom Deutschlandfunk in einem ausführlicheren Interview beworben wurde.
Bereits nach etwa 20 Sekunden war ich überzeugt, mit meinem Fernseher stimme technisch etwas nicht. Die Animation wirkt derart rudimentär, dass sie mich vollständig von den eigentlichen Inhalten abgelenkt hat. Ich frage mich ernsthaft, wie in den zahlreichen Redaktions-, Produktions- und Abnahmesitzungen niemand den Mut hatte, dieses offensichtliche Manko anzusprechen. Das Gezeigte wirkt eher wie ein Treatment oder eine Vorstudie als wie das Endprodukt einer preisgekrönten Serie. Unweigerlich fühlte ich mich an Rudis Tagesshow erinnert. Dort wurden Politikern mit einfachen Tricks fremde Lippen über den Mund gelegt – technisch schlicht, aber als satirischer Effekt völlig ausreichend. Erstaunlicherweise erzeugt Sheep einen ganz ähnlichen Eindruck: Als spiele sich Mimik ausschließlich im Maul ab. Augen, Ohren, Kopfhaltung und der übrige Gesichtsausdruck scheinen dagegen nahezu eingefroren. Dabei entsteht Mimik gerade durch das Zusammenspiel des gesamten Gesichts und der Körpersprache. Dass dies auch mit stark stilisierten Figuren hervorragend funktionieren kann, zeigen andere Produktionen seit Jahren. Bereits die Porzellan-Schafe von Bo Peep in Toy Story wirken trotz ihres Alters und ihrer einfachen Gestaltung deutlich lebendiger. Mit wenigen, aber gezielt eingesetzten Bewegungen von Augen, Kopf und Körper vermitteln sie mehr Persönlichkeit als viele Figuren in Sheep. Noch deutlicher wird der Vergleich mit Shaun das Schaf. Dort kommen die Figuren nahezu ohne gesprochene Dialoge aus und transportieren ihre Emotionen fast ausschließlich über Augen, Ohren, Kopfhaltung, Körpersprache und perfektes Timing. Die Gesichter sind ebenfalls stark reduziert gestaltet – und dennoch entsteht eine beeindruckende Ausdruckskraft. Shaun das Schaf beweist eindrucksvoll, dass nicht anatomischer Realismus entscheidend ist, sondern die Qualität der Animation. Nachdem ich diese Schwäche gedanklich für einen Moment ausblenden konnte, blieb vom Humor leider nicht mehr viel übrig. Der Schmunzelfaktor war für mich erstaunlich gering. Vielleicht lag das auch daran, dass ich gedanklich immer noch an der mangelnden Mimik hängen geblieben war und die Dialoge dadurch kaum noch unvoreingenommen aufnehmen konnte. Ein Wort noch zur Hauptfigur Oliver. Die Serie wird als zynisch und gesellschaftlich bissig beworben. Davon war in der ersten Folge für mich allerdings wenig zu spüren. Der Zynismus bleibt erstaunlich zahm und weit hinter Produktionen wie South Park zurück, die mit provokanter Satire gesellschaftliche Widersprüche konsequent offenlegen. Vielleicht entwickelt sich Oliver im weiteren Verlauf noch zu einer schärferen, ambivalenteren Figur – nach der ersten Episode wirkt er jedoch eher blass als provokant. Auch mit seinem englischen Titel Sheep scheint die Serie erkennbar auf ein internationales Publikum zu zielen. Umso erstaunlicher ist, dass ausgerechnet die Animation nicht das Niveau erreicht, das man heute auf dem internationalen Markt erwarten darf. Im Vergleich zu internationalen Produktionen dürfte es die Serie mit dieser gestalterischen Umsetzung schwer haben, sich im Wettbewerb zu behaupten. Zeitweise fragte ich mich sogar, ob die stark reduzierte Gesichtsanimation bewusst gewählt wurde, um eine spätere Synchronisation in andere Sprachen zu erleichtern. Sollte das tatsächlich eine gestalterische Überlegung gewesen sein, wäre sie aus meiner Sicht ein hoher Preis: Die Figuren verlieren genau jene Ausdruckskraft, die gute Animation unabhängig von Sprache universell verständlich macht. Umso größer ist meine Verwunderung, weil Sheep bereits beachtliche Anerkennung erfahren hat. Die Serie erhielt den Student Award in der Short Form Competition bei den CANNESERIES 2026 und wurde beim Seriencamp Festival Köln 2026 als Beste Short Form Serie ausgezeichnet. Diese Auszeichnungen haben meine Erwartungen eher noch gesteigert. Nach der ersten Folge kann ich die Begeisterung der Jurys allerdings nur schwer nachvollziehen. Vielleicht erschließt sich die Qualität der Serie erst im weiteren Verlauf – bislang blieb sie für mich sowohl visuell als auch erzählerisch hinter ihren Vorschusslorbeeren zurück. Gerade deshalb überrascht mich diese Produktion umso mehr. Das kleine Fernsehspiel gehört für mich seit Jahrzehnten zu den spannendsten Redaktionen des deutschen Fernsehens. Immer wieder wurden dort außergewöhnliche Stoffe und junge Talente gefördert. Regisseurinnen und Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder, Fatih Akin, Tom Tykwer, Christian Petzold oder auch Jim Jarmusch fanden dort in frühen Phasen ihrer Laufbahn eine wichtige Plattform für ihre Arbeiten. Gemessen an dieser beeindruckenden Tradition hatte ich an Sheep entsprechend hohe Erwartungen. Dennoch werde ich der Serie eine zweite Chance geben. Vielleicht gelingt es mir beim nächsten Mal, die für mich enttäuschende Animation auszublenden und mich stärker auf die Dialoge und den eigentlichen Inhalt zu konzentrieren. Sollte mir das gelingen, fällt mein Urteil möglicherweise differenzierter aus. Im Moment allerdings steht die visuelle Umsetzung der Serie für mich derart im Weg, dass sie den Zugang zu ihren eigentlichen Qualitäten erschwert.
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