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Disney-Shocker: Alter CEO kehrt als neuer CEO aus dem Ruhestand zurück
geschrieben von: TV Wunschliste, 21.11.22 18:19
Die Unterhaltungsindustrie ist geschockt: Am Sonntag hat The Walt Disney Company sehr überraschend die Entlassung des CEO Bob Chapek mitgeteilt. Sein Nachfolger ist auch sein Vorgänger: Bob Iger. Der mittlerweile 71-Jährige wurde mit einem Übergangsvertrag und einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren angeheuert, um den Konzern durch eine zunehmend komplexe Periode der Transformation der [Unterhaltungs-]Industrie zu geleiten - und seinen nächsten Nachfolger zu bestimmen.

Branchenbeobachter merken süffisant an, dass gerade das Bestimmen eines Nachfolgers Iger das letzte Mal schon auffällig schwergefallen war.

Nachdem Bob Chapek sich in seiner Amtszeit mit einigen unklugen Entscheidungen und Äußerungen ins Wackeln gebracht hatte, haben ihm zuletzt wohl schlechte Quartalszahlen und eine wenig vorteilhafte Bewertung seiner Strategie in Sachen Streamingdienste um den Job gebracht. Insgesamt hatte die Disney-Aktie im Jahr 2022 laut Deadline um 40 Prozent nachgegeben.

Hintergründe



Erst im Februar 2020 hatte Bob Iger den Job als CEO von The Walt Disney Company an Chapek abgegeben, nachdem er zuvor 15 Jahre im Amt war. Bis Ende 2021 war Iger noch als "Executive Chairman" an Bord, bevor er sich in den "offiziellen Ruhestand" verabschiedet. Iger galt in seiner ersten Ägide als versierter Verhandler, Philanthrop sowie als fähiger Manager: In seine Amtszeit fällt der Anschluss von Pixar, Marvel und Lucasfilm an The Walt Disney Company sowie der Aufkauf weiter Teile von 20th Century Fox.

Bob Chapek



Als im Februar 2020 Bob Chapek als neuer Disney-Chef verkündet wurde, kam das als Überraschung: Denn Chapek hatte bei Disney seine Wurzeln im Geschäftsbereich Vergnügungsparks, während die unmittelbaren Herausforderungen für den Konzern eher im Unterhaltungsmedien-Bereich lagen. Dazu kam die Tatsache, dass Disney durch seine Parks besonders durch COVID-19 betroffen war.

Unbeliebt in Hollywood machte sich Chapek mehr als einmal. Einerseits war da die harsche Wortwahl der Firma in einer Auseinandersetzung mit "Black Widow"-Hauptdarstellerin Scarlett Johansson. Die hatte geklagt, nachdem Disney entschieden hatte, ihren Film wegen der Pandemie zügig zu Disney+ zu geben, während Johanssons Vergütung für den Film sehr stark von den Einnahmen an der Kinokasse abhingen. Dazu kam der Vorwurf, dass die Entscheidung für die frühe Streamingpremiere auch getroffen worden sei, weil die Bonuszahlungen zahlreicher Manager eben am Erfolg von Disney+ hingen. Während die Sache in einem Vergleich endete, hatte Disney Johanssons Klage zunächst als traurig und erschreckend sowie als kaltschnäuzige Ignoranz gegenüber den Realitäten der Corona-Pandemie bezeichnet. Auch wurde öffentlich gemacht, dass sie ja auch schon 20 Millionen US-Dollar erhalten habe - auch die Preisgabe ihres Gehalts gilt als Fauxpas. Der Angriff auf den Charakter der Darstellerin wurde in Hollywood mit Empörung zur Kenntnis genommen.

Daneben gab es eine Auseinandersetzung mit den eigenen Angestellten im Umfeld einer neuen Gesetzgebung in Florida, die als "Don't Say Gay"-Law weltweit Schlagzeilen machte. Dabei wurden Lehrern in dem Bundesstaat neue, enge Vorgaben gemacht, die die Diskussion von sexueller Identität und Geschlechteridentität im Unterricht deutlich einschränken. Die zahlreichen Kritiker des Gesetzes verurteilen, dass damit Themen wie Homosexualität und Transsexualtität aus dem Klassenraum verbannt werden sollten - in ihren Augen zum groben Nachteil von Jugendlichen, die mit der eigenen Identität ringen. Da The Walt Disney Company in Florida etwa durch den Park Walt Disney World Orlando ein Wirtschaftsfaktor ist und Parteispenden leistet, wollten zahlreiche der LGTBQ+-Community nahestehende Disney-Angestellte ihre Firma als Fürspecher für Diversität sehen. Während etwa Iger per Twitter kritisierte, solch ein Gesetz könne vulnerable Jugendlich in zusätzliche Gefahr bringen, weigerte sich Chapek zunächst, für Disney Stellung zu beziehen. Erst nach demonstrativen Arbeitsniederlegungen von Angestellten legte er sich fest.

Erst kürzlich hatte Chapek mit der Entlassung von Disneys Fernsehchef Peter Rice ein weiteres Mal für Negativschlagzeilen gesorgt - Rice unterstanden alle TV-Sender bei Disney, die nichts mit Sport zu tun haben (ABC, Freeform, FX, Disney Channel etc.). Der von FOX kommende Rice hatte erst kurz zuvor seinen Vertrag verlängert und war recht beliebt. Viele sahen in ihm auch einen möglichen Nachfolger oder gar Herausforderer für Chapek. Entsprechend wurde Rices Rauswurf auch eher als Versuch von Chapek gesehen, Stärke zu zeigen, wobei er die Verteidigung der eigenen Position über das Wohl der Firma stellte.

Ein Opfer der Streaming Wars?



Während Chapek überraschend trotz des chaotischen Geschäftsumfeldes das erste Jahr seiner Amtszeit eher unbeschadet überstand, wurden ihm die letzten Quartalszahlen und mangelnder Rückhalt zum Verhängnis.

Der Anfang November verkündete Umsatz des Gesamtkonzerns für das vorherige Quartal lag mit 20,15 Milliarden US-Dollar mehr als 6 Prozent unter den Erwartungen an der Wall Street (21,55 Milliarden). Zwar war das Abonnentenwachstum für Disney+ ein "Highlight" bei den Zahlen - alleine, bis Disney+ mehr einnimmt, als es ausgibt, dürften noch zwei Jahre vergehen. Mindestens - denn keiner weiß, wie die Weltwirtschaft sich entwickeln wird. Zudem ist in dieser Erwartung bei Disney ein "Erfolg" für die am 8. Dezember kommende Preiserhöhung und die Einführung eines werbefinanzierten Abo-Angebots (TV Wunschliste berichtete) bereits eingeschlossen.

21.11.2022 - Bernd Krannich/TV Wunschliste
Bild: The Walt Disney Company


[www.wunschliste.de]

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