
Zahlreiche Programmformate hat RTL II in dieser TV-Saison bereits frühzeitig abgesetzt. Auch die Qualitätsserien
"Dexter" und
"Californication" sind trotz enormer Werbeanstrengungen gefloppt. Nun droht auch noch die neue
"Big Brother"-Staffel zum Desaster zu werden: Schon die Einzugsshow, die ausgerechnet gegen das Finale von
"Bauer sucht Frau" gesendet wurde, fand deutlich weniger Zuschauer als in der vorherigen Staffel. Die Einschaltquoten der Tageszusammenfassungen befinden sich ebenfalls im Sinkflug und liegen mittlerweile sogar unter dem Senderschnitt.
Über diesen katastrophale Einbruch dürften sich die Verantwortlichen bei RTL II inzwischen den Kopf zerbrechen. Denn die letzte Staffel lief noch ausgesprochen zufriedenstellend. Hier sind einige spekulative Gründe für den Negativtrend:
- Fehlende Programmqualität
Die Einzugsshow bestand lediglich aus dem merklich in die Länge gezogenen Einzug von nur sechs neuen Bewohnern, einigen auf halbgarer Flamme gekochten Dschungelcamp-Spielchen, einem grausigen Gesangsauftritt von Jürgen Milski & Jürgen Drews und viel Werbung für ein Telefon-Gewinnspiel. Mehr als drei Stunden Langeweile, mit der man keine Zuschauer gewinnt.
- Fehlende Kandidatenqualität (und -quantität)
Nur sechs von später zwölf Bewohnern zogen zum Auftakt in das neue Haus ein. Das verringert für den Zuschauer die Möglichkeit, schnell einen Kandidaten mit Identifikationspotential zu finden, dessen Schicksal man gerne weiter verfolgen will. Für die ersten Tageszusammenfassungen ergaben sich durch die wenigen Bewohner kaum interessante Themen und Ereignisse. Die inzwischen zwölf Kandidaten haben kaum Konfliktpotential, wirken recht brav und harmoniebedürftig. Klassische "Troublemaker" wie in vorherigen Staffeln, die in den zähen ersten Wochen der Kennenlernphase die Stimmung im Haus anheizen, sind nicht in Sicht.
- Fehlende Zeit
Hinter dem Staffelstart im Dezember stand die Idee, mit Weihnachten und Silvester im Big Brother-Haus ein zusätzliches TV-Highlight anbieten zu können. Vielen Zuschauern fehlt aber in der stressigen Vorweihnachtszeit die Gelegenheit, die neu gestartete Show täglich mitzuverfolgen. Durch die geänderten Sehgewohnheiten zwischen den Feiertagen könnten nun sogar noch mehr Zuschauer abhanden kommen.
- Fehlende Werbung
Für Serien wie "Dexter" und "Californication" warb RTL II intensiv, für das Zugpferd "Big Brother" dagegen überraschend wenig. Auch erhielt die Presse vorab kaum Infos über das neue Haus und seine Bewohner. So lässt sich bei potentiellen Zuschauern keine Neugier wecken.
- Fehlende Live-Berichterstattung
Der 24-Stunden-Livekanal auf Premiere dient als wichtige zusätzliche Infoquelle für das Stammpublikum und die Internetcommunity. Mit Beginn der neuen Staffel sendet Premiere nun jedoch mit einem bis zu fünfminütigen Zeitversatz, durch den die BB-Redakteure jederzeit in das Geschehen eingreifen können, indem sie zum Beispiel unbedarfte Äußerungen oder Handlungen der Bewohner (wie in der letzten Staffel geschehen) zensieren können. Dafür wurde der Preis für das monatliche Abo auch noch von 15 auf 20 Euro erhöht.
- Fehlende Ideen
Die Bewohner sollten "in eine Welt eintauchen, die es so noch nie im deutschen Fernsehen gab", versprach RTL II großspurig vor Staffelbeginn (wunschliste.de berichtete). Das neue Staffelmotto "Himmel und Hölle" unterscheidet sich allerdings kaum vom vorherigen Arm-und-Reich-Konzept. Nach zwei Wochen wirkt BB9 daher lediglich wie ein lauer Aufguss der vorherigen Staffel. Um dauerhaft erfolgreich zu bleiben, muss sich das Format aber immer wieder neu erfinden ...
23.12.2008 - Michael Brandes/wunschliste.de
[www.wunschliste.de]